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Pacht oder Miete bei Gewerbeimmobilien — der Unterschied

Pacht und Miete sind im österreichischen Recht beides Bestandverträge, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Bei der Pacht wird ein laufendes Unternehmen übergeben — mit Einrichtung, Warenlager und Kundenstock —, bei der Miete nur der Raum. Die Abgrenzung ist keine Formsache, denn sie entscheidet, ob das Mietrechtsgesetz überhaupt gilt. ImmoLöwin vermittelt Pachtobjekte und begleitet Verpächter und Pächter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Miete und Pacht sind beide Bestandverträge (§ 1090 ABGB). Nach § 1091 ABGB ist es eine Miete, wenn sich die Sache ohne weitere Bearbeitung gebrauchen lässt, und eine Pacht, wenn sie nur durch Fleiß und Mühe genutzt werden kann — etwa durch die Führung eines Betriebs.
  • Für die Abgrenzung fragt die Rechtsprechung, ob ein lebendes Unternehmen übergeben wird: Einrichtung, Warenlager, Kundenstock, oft verbunden mit einer Betriebspflicht.
  • Das Mietrechtsgesetz gilt für die Miete (§ 1 Abs 1 MRG), nicht für die Pacht. Eine echte Unternehmenspacht ist damit MRG-frei.
  • Die Bezeichnung des Vertrags entscheidet nicht; maßgeblich ist, was tatsächlich übergeben wird.
  • Typische Pachtobjekte sind Gastronomie, Hotellerie und Tankstellen.
  • Die Landpacht (land- und forstwirtschaftliche Flächen) folgt eigenen Regeln und ist hier nicht Thema.

Pacht und Miete — zwei Formen eines Vertrags

Definition: Pacht ist ein Bestandvertrag, bei dem der Pächter nicht nur Räume, sondern ein funktionsfähiges Unternehmen samt Einrichtung und Kundenstock übernimmt und auf eigene Rechnung führt — im Unterschied zur Miete, die nur den Gebrauch eines Raums überlässt.

§ 1090 ABGB nennt jeden Vertrag, durch den jemand den Gebrauch einer unverbrauchbaren Sache auf gewisse Zeit und gegen einen bestimmten Preis erhält, einen Bestandvertrag. § 1091 ABGB unterscheidet dann: Lässt sich die Sache ohne weitere Bearbeitung gebrauchen, ist es ein Mietvertrag; kann sie nur durch Fleiß und Mühe genutzt werden, ein Pachtvertrag.

Wie die Rechtsprechung Pacht und Miete abgrenzt

Entscheidend ist nach ständiger Rechtsprechung, ob ein lebendes Unternehmen übergeben wird. Dem Bestandnehmer wird dann nicht nur der Raum überlassen, sondern alles, was für den Betrieb wesentlich ist — Geschäftseinrichtung, Inventar, Warenlager und Kundenstock. Eine auch nur schlüssig vereinbarte Betriebspflicht spricht stark für Pacht; eine Gewerbeberechtigung allein reicht dafür nicht. Fehlen Kundenstock, Warenlager und Gewerbeberechtigung, spricht das eher für Miete (OGH 27.11.2002, 3 Ob 274/02v).

Starre Regeln gibt es nicht: Jeder Fall wird in einer Gesamtbetrachtung beurteilt. Ob der Vertrag „Pachtvertrag“ oder „Mietvertrag“ heißt, ist für sich nicht maßgeblich.

Warum die Abgrenzung praktisch wichtig ist

§ 1 Abs 1 MRG legt den Geltungsbereich des Mietrechtsgesetzes auf die Miete von Wohnungen und Geschäftsräumlichkeiten fest. Eine echte Unternehmenspacht fällt daher nicht unter das MRG — mit Folgen:

  • Kündigung: Es gelten der Vertrag und das allgemeine Bestandrecht des ABGB, nicht der Kündigungsschutz des MRG.
  • Investitionen des Pächters sind vertraglich zu regeln. Das Ablöseverbot des § 27 MRG betrifft Mietverhältnisse — mehr dazu unter Geschäftslokal mieten oder kaufen.
  • Rückgabe am Pachtende folgt den vertraglichen Regeln zu Inventar und Zustand.

Ist der Verpächter selbst nur Hauptmieter des Geschäftslokals und gilt das MRG voll, kommt eine Besonderheit dazu: Er darf das im Lokal betriebene Unternehmen auch gegen eine anderslautende Vereinbarung verpachten, muss die Verpachtung samt Dauer aber dem Vermieter anzeigen; lag der Hauptmietzins unter dem angemessenen, kann der Vermieter für die Dauer der Verpachtung eine Anhebung verlangen (§ 12a Abs 5 MRG).

Typische Pachtobjekte

In der Praxis sind es vor allem Betriebe, bei denen Einrichtung und Kundenstock untrennbar zum Geschäftswert gehören: Gastronomie, Hotellerie und Tankstellen. Land- und forstwirtschaftliche Flächen werden ebenfalls verpachtet, folgen aber eigenen Regeln.

Wir vermitteln Pachtobjekte und begleiten Verpächter und Pächter — aktuell unter anderem ein Objekt im Wiener Umland, das zur Pacht angeboten wird. Was gerade verfügbar ist, steht unter Gewerbe.

Checkliste für Pächter und Verpächter

PrüfpunktPächterVerpächter
Was wird übergeben?Inventarliste, Kundenstock und laufende Verträge prüfenÜbergabe vollständig und nachweisbar dokumentieren
Betriebspflichtvereinbarte Auflagen genau lesenklar formulieren — sie ist ein Merkmal der Pacht
Gewerbeberechtigungeigene Anmeldung nötig, siehe Betriebsübernahme in WienÜbergabe des Betriebs, nicht der eigenen Berechtigung
Investitionen während der PachtErsatz am Pachtende vertraglich regelnUmfang und Bewertung vorab festlegen
PachtzinsWertsicherung im Vertrag prüfenAnpassung an die Entwicklung des Betriebs regeln
RückgabeZustand und Inventar dokumentierenÜbergabeprotokoll von beiden Seiten unterschreiben lassen

Sie möchten einen Betrieb verpachten oder pachten? Wir klären mit Ihnen, ob Ihr Fall eine Pacht oder eine Miete ist — bevor der Vertrag unterschrieben wird.

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Beratung auf Deutsch, Russisch, Ukrainisch und Englisch.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen zum Stand 31.10.2026 wieder und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Für Ihre konkrete Situation beraten wir Sie persönlich und ziehen, wo nötig, einen Anwalt oder Steuerberater bei.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pacht und Miete?

Bei der Miete wird nur der Gebrauch eines Raums überlassen. Bei der Pacht übernimmt der Pächter ein laufendes Unternehmen samt Einrichtung, Warenlager und Kundenstock und führt es auf eigene Rechnung (§ 1091 ABGB).

Gilt das Mietrechtsgesetz auch für Pachtverträge?

Nein. § 1 Abs 1 MRG beschränkt den Geltungsbereich auf die Miete. Eine echte Unternehmenspacht ist MRG-frei.

Woran erkenne ich, ob mein Vertrag eine Pacht oder eine Miete ist?

Nicht an der Bezeichnung, sondern daran, ob ein lebendes Unternehmen samt Einrichtung, Warenlager und Kundenstock übergeben wird. Eine vereinbarte Betriebspflicht ist ein starkes Indiz für Pacht.

Welche Betriebe werden typischerweise verpachtet?

Vor allem Gastronomie, Hotellerie und Tankstellen — Betriebe, deren Wert in Einrichtung und Kundenstock liegt.

Was passiert mit meinen Investitionen am Ende der Pacht?

Das regelt der Pachtvertrag. Das Ablöseverbot des § 27 MRG gilt für Mietverhältnisse, nicht für die Unternehmenspacht; eine klare Regelung vor Pachtbeginn ist deshalb besonders wichtig.

Braucht ein Pächter eine eigene Gewerbeberechtigung?

In der Regel ja. Die Gewerbeberechtigung ist an die Person gebunden und geht mit der Pacht nicht über. Details: Betriebsübernahme in Wien.

Darf ein Mieter sein Lokal samt Betrieb verpachten?

Im Vollanwendungsbereich des MRG darf ein Hauptmieter das im Geschäftslokal betriebene Unternehmen verpachten, auch wenn der Mietvertrag es ausschließt. Er muss es dem Vermieter anzeigen; dieser kann für die Dauer der Pacht unter Umständen einen höheren Hauptmietzins verlangen (§ 12a Abs 5 MRG).

Kann der Pachtzins während der Laufzeit steigen?

Das regelt der Pachtvertrag, meist über eine Wertsicherungsklausel. Prüfen Sie sie vor der Unterschrift.

Was kostet die Vermittlung einer Pacht?

Die Immobilienmakler-Verordnung sieht für die Unternehmenspacht eigene Höchstsätze vor, berechnet in Prozent des Pachtzinses (§ 26). Die konkrete Provision vereinbaren wir vor Beginn schriftlich; Grundsätzliches zur Provision steht unter Maklerprovision.

Vermittelt ImmoLöwin Pachtobjekte?

Ja. Wir vermitteln Pachtobjekte und begleiten Verpächter und Pächter — aktuell unter anderem ein Objekt im Wiener Umland, das zur Pacht angeboten wird.

Quellen

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